Das schrieb ich zum Thema Bayreuther Dokumentationszentrum am 28.06.2024 in meinem Blog "Freibeuterbriefe": "Mich verbindet mit dem Thema „Nationalsozialismus, Wagner, Houston Stewart Chamberlain und Bayreuth“ eine kleine Geschichte. Die seit 1937 existierende Chamberlain-Straße wurde das erste Mal 1947 umbenannt, dann 1958 eine neue Straße wieder nach Chamberlain benannt, dann aber 1989 der Furtwängler-Straße zugeschlagen. Die letzte Umbenennung, mit der auch eine symbolische Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Adolf Hitler und Chamberlain verbunden war, wurde von mir beantragt. An die heftige und teilweise geradezu hasserfüllte Debatte darum im Bayreuther Stadtrat kann ich mich noch erinnern. Sie und die zweimalige Anbiederung an den Wagnerclan machte mir das zwiespältige Verhältnis der Bayreuther „Elite“ zu oben angeführtem Thema sehr klar. Ich war entsetzt.
An dieser nicht eindeutigen Ablehnung des Nationalsozialismus, sobald es dabei auch um den Wagnerclan geht, hat sich offensichtlich nichts geändert. Der Bayreuther Stadtrat tat sich auch diesmal schwer, die Einrichtung eines NS-Dokumentationszentrums im Chamberlain-Haus zu genehmigen. Die Gründe, die dagegen vor allem von Teilen der SPD, der Pseudogrünen und der Bayreuther Gemeinschaft vorgetragen wurden, waren angesichts der historischen Tragweite einer solchen Entscheidung für Bayreuth fadenscheinig – oder scheinheilig. Die Gegner sprachen sich im Kulturausschuss am 22.04.2024 gegen das NS-Dokumentationszentrum aus, weil Bayreuth doch gerade jetzt so viele Projekte zu stemmen habe und der Unterhalt des Dokumentationszentrums permanent Geld kosten werde. Der Begriff „Krämerseele“, der von irgendjemand für diese Haltung genannt wurde, war eine beschönigende Formulierung.
Doch die Gegner mit den Krämerseelen bekamen mächtigen Gegenwind nach der Sitzung des Kulturausschusses. Nicht nur die ganze Bayreuther Kulturszene sprach sich für das NS-Dokumentationszentrum aus, auch überregionale Stimmen wurden befürwortend deutlich. Dem konnten auch die krämerseligen Gegner nicht widerstehen. Sie gaben in der entscheidenden Sitzung des Stadtrates am 25.06.2024 ihren Widerstand kleinlaut auf und stimmten auch für den Fortgang der Planung. Auch wenn Stadtverwaltung und Nordbayerischer Kurier es so darstellten, daß den Gegnern die Krämerseelen gestreichelt wurden, geändert hat sich an der Planung so gut wie nichts. Was ein NS-Dokumentationszentrum in Bayreuth zu leisten hat, ist vollkommen klar.
Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung, wie der Kulturreferent Benedikt Stegmayer in seiner Stellungnahme vor dem Stadtrat bemerkte. Wenn eine solche richtige Bemerkung aber aus dem Mainstream kommt, werde ich misstrauisch. Nur allzu oft ist das Denken dahinter mit Antisemitismus, Diskriminierung und Rassismus verbunden."
Heute denke ich, daß die Beschäftigung mit diesem Thema nicht bei der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit stehen bleiben darf; denn damit erreicht man "viele nicht mehr, vor allem bei den Zwölf- bis 18-Jährigen", wie Oberbürgermeister Thomas Ebersberger bei einer Veranstaltung der Wilhelm-Leuschner-Gedenkstätte am 01.10.2024 richtig sagte. Von daher halte ich die Ablehnung eines NS-Dokumentationszentrums, das sich nur mit der Ideologie des Nationalsozialismus in Bayreuth beschäftigt, heute für kein Unglück mehr.
Das gilt aber nur, wenn man eine Einrichtung schafft, vielleicht nur auf virtueller Basis, angesiedelt in einer bestehenden städtischen Immobilie, die sich auch mit der Gegenwart beschäftigt, die jetzt schon von der totalitär gewordenen neoliberalen Ideologie geprägt ist. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit der Politik der Extremisten der Mitte, die in den vergangenen Jahren, speziell während der Corona-Fake-Pandemie, die Demokratie bis auf die Fassade abgerissen haben oder den Abriss applaudierend hingenommen haben. Abrissarbeiten waren und sind die Zensurmaßnahmen, die größtenteils an die Internetkonzerne outgesourct wurden, die inflationäre Ausweitung digitaler Überwachungsmaßnahmen, das Verbot ausländischer Medien und die Verfolgung von Kritikern der Mainstreampolitik mit Verleumdung, Rufmord, Berufsverbot und Existenzvernichtung. Und es gehört die Auseinandersetzung mit einer möglichen Zukunft dazu, von der befürchtet werden muß, daß sie noch mehr als bisher digitalisierte Überwachung, Kontrolle und Manipulation bieten wird. Die möglichen Täter sollte man nicht nur bei der AFD suchen, sondern genauso bei den etablierten Parteien.
Wer sich nur mit den Verbrechen der Vergangenheit beschäftigt, will die heutigen Verbrechen gegen Meinungsfreiheit und Demokratie verdrängen, verleugnen und vertuschen.
Nachtrag 03.05.2026: "Meinungsfreiheit" im Kurier
2000 Zeichen aus diesem Text, mehr sind nicht zugelassen, habe ich am 02.05.2026 im Diskussionsforum "Plural" des Nordbayerischen Kuriers veröffentlicht. Als ich etwa zwei Stunden später nachschaute, war er von der Redaktion gelöscht worden. Der NK lässt keine Leserkommentare zu, die das geframte Weltbild des Mainstreams überschreiten. Das ist Zensur. Sie gilt genauso für Leserbriefe.